Berlin – die alte, zwischenzeitlich nur gefühlte, und nun auch nicht mehr so neue Hauptstadt der Bundesrepublik – ist nicht nur Schauplatz vieler Romane und Kinofilme, sondern spielt auch in Fernsehserien immer wieder eine große Rolle. Die denkwürdigsten Serien in der Spree-Metropole haben wir hier für euch zusammengetragen.


Das Berlin der Zwischenkriegszeit ist Schauplatz von Berlin Alexanderplatz, einer 14-teiligen Serie von Rainer Werner Fassbinder. Anhand der Erlebnisse des frisch aus dem Gefängnis entlassenen Franz Biberkopf werden die Schattenseiten der Hauptstadt zu Zeiten der Weimarer Republik vorgeführt. Der nicht sehr heldenhafte Biberkopf ist in der Verfilmung von Alfred Döblins 1929 erschienenem Roman aus dem Jahre 1980 von unzähligen zwielichtigen Gestalten umgeben, die sich zum Bild einer Stadt zusammenfügen, die beileibe nicht für alle das Versprechen einlöst, dass Stadtluft frei macht.

Wesentlich freundlicher geht es da bei den Drei Damen vom Grill zu, die von 1976 bis 1991 das Berlin-Bild im Rest der Republik prägten. Rund um die Currywurstbude des Frauentrios Margarete (Fassbinder-Star und Berliner Original Brigitte Mira), Magda (Brigitte Grothum) und Margot Färber (Gabriele Schramm) passieren mal heitere, mal traurige Alltäglichkeiten, mittendrin zunächst Fleischlieferant Otto Krüger (Berliner Original Nummer zwei, Günter Pfitzmann) und später Trödelhändler Ottmar Kinkel (das Berliner Original schlechthin, Harald Juhnke). Serienschöpfer war Heinz Oskar Wuttig.

Günther Pfitzmann schulte 1987 vom Fleischlieferanten zum Fleischheiler um, der sich außerdem der Sorgen und Nöte der kleinen Leute annimmt. Die Rede ist natürlich von Dr. Brockmann aus Praxis Bülowbogen, der bis 1996 nicht nur medizinische Probleme löste. In seiner Schöneberger Praxis hat der patente Arzt stets ein offenes Ohr für seine Patienten und ist die Art von Doktor, bei dem wohl jeder Zuschauer sagt „Von dem würd’ ick mir ooch behandeln lass‘n!“ Unterstützt wird er dabei von anderen Urberlinern wie Anita Kupsch, Christina Plate oder Katja Bienert, aber auch Hitparaden-Moderator Dieter Thomas Heck schaut des öfteren als schleimiger Fiesling vorbei. Die Serie entsprang dem Hirn von Ulrich del Mestre.

Das Trio der klassischen Berlin-Serien wird komplettiert von Liebling Kreuzberg. Spur der Steine-Sesamstraßen-Tatort-Jazzsänger-Telekomaktienverkäufer Manfred Krug gab in der Serie von Jurek Becker zwischen 1986 und 1998 den Kreuzberger Anwalt Robert Liebling. Wer keine Probleme mit dem gesundheitlichen oder leiblichen, sondern dem rechtlichen Wohl hat, findet bei ihm stets Rat und Tat. Dreitagebärtig Schlapphut tragend und Wackelpudding essend, ist Liebling der Damenwelt nicht abhold, wenn er gerade keinen Fall bearbeitet. Letzteres tut er ohnehin eher sporadisch.

Während die drei vorherigen Serien sowohl im geteilten als auch im wiedervereinigten Berlin spielten, tragen sich die Geschichten von Berlin, Berlin gänzlich in der Hauptstadt nach der Jahrtausendwende zu und erzählen noch dazu die Erlebnisse vornehmlich junger Menschen! Felicitas Woll als Carlotta „Lolle“ Holzmann kommt aus der Provinz an die Spree und erlebt lustige, romantische, aufregende und auch mal traurige Geschichten, stets unterbrochen von Zeichentricksequenzen. Ausgedacht hatte sich das Ganze David Safier.

Weitaus finsterer geht es in Blackout zu, einer 4-teiligen Miniserie von 2004, die sich die ekligsten Ecken und fiesesten Typen Berlins rausgepickt hat, um eine Geschichte von Verrat, moralischen Abgründen und Niedertracht zu erzählen. Mišel Matičević suchte als Drogenfahnder Paul Novak in der Serie von Norbert Eberlein nicht nur nach dem Mörder seiner Frau, sondern auch nach seiner Erinnerung, hatte er doch sein Gedächtnis verloren. Besonders schön-widerlich: Ballerman 6-Proll Hilmi Sözer als Mafiaboss und Roeland Wiesnekker als korrupter Polizist.

Im Angesicht des Verbrechens widmete sich 2010 in 10 Folgen den Umtrieben der Russenmafia in Berlin und den Versuchen der Polizei, sie von Drogen- und Menschenhandel und weiteren Delikten abzuhalten. Mittendrin sind Max Riemelt und Ronald Zehrfeld als Polizisten Marek Gorsky und Sven Lottner sowie abermals Mišel Matičević, hier aber als Mafia-Pate. Pikant: Pate Mischa ist der Schwager von Polizist Marek, was zusätzlichen Pfeffer in die Auseinandersetzungen streut. Rolf Basedow schrieb das Drehbuch, Dominik Graf führte Regie.


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