Nachdem Star Trek: Picard in der vorigen Folge mit einer kruden Mischung aus Folter und Fasching verwirrte, fliegt Episode 6, The Impossible Box bzw. Die geheimnisvolle Box, wieder durch stabilere Gefilde. Endlich vereinen sich die beiden großen Handlungsstränge, denn Picard betritt den Borgwürfel, wo er auf Daj trifft.

Dabei stechen zwei Aspekte besonders hervor. Einerseits entdeckt Daj, dass ihre Vergangenheit fabriziert ist, andererseits wird Picard mit einigen neuen Borg-Erkenntnissen konfrontiert.

Sojis Vergangenheit verschwindet

Beginnend mit Alpträumen über ihre Kindheit, findet Daj (Isa Briones) heraus, dass ihre Erinnerungen, ihre Erinnerungsstücke und sogar ihre Mutter allesamt fabriziert sind, was sie nachvollziehbarerweise völlig entgeistert.

Das kommt Narek (Harry Treadaway) gerade recht, der sie zu einem romulanischen Ritual überredet, um hinter das Geheimnis ihrer Herkunft zu gelangen. Ihre Visionen während des Rituals vermitteln dann auch eindringlich, wie sie sich als ihrer Identität Beraubte fühlen muss, inklusive einem Schock-Höhepunkt, bei dem sie sich selbst als lebensgroßer Holzpuppe begegnet.

Soji in einer Erinnerung (© CBS/Amazon)

Allerdings wäre es schön gewesen, diesen Ereignissen eine ganze Folge zu widmen, um noch tiefer in Sojis Psyche eintauchen zu können. So mündet die Selbsterkenntnis recht bald in die Notwendigkeit, den Plot voranzutreiben und sie samt Picard zur nächsten Station ihrer Reise zu schicken.

Narek enthüllt ihr gegenüber schließlich seine wahren (?) Absichten, indem er sie im Ritual-Raum einsperrt und vergiften will, was zur Aktivierung und Flucht Sojis führt. Allerdings weiß er nun, wo sich die anderen Synthetics aufhalten dürften, denn Soji hat auch eine Vision eines ganz bestimmten Planetensystems, die sie zuvor mit ihm teilt.

Picards Borg-Trauma bleibt

Auch Picard (Patrick Stewart) macht eine einschneidende Erfahrung, nachdem er nach seiner Ankunft auf dem Borgwürfel erst mal orientierungslos umherirrt und fast in einen Abgrund fällt. Denn er wird schließlich von Hugh (Jonathan Del Arco) in Empfang genommen, der ihm einiges über die Entborgifizierten berichtet.

Diese sind zwar von ihren Implantaten befreit, sehen aber nicht so makellos aus wie Picard, Seven of Nine und Hugh. Sie erinnern an Kriegsversehrte, ziehen diesen Zustand aber eindeutig ihrem Borg-Leben vor. Allerdings denkt die Gesellschaft, so Hugh, gar nicht daran, ihnen weitergehende Hilfe bei der Rückkehr in ihr altes Leben zukommen zu lassen. Stattdessen werden sie nach wie vor als Borg, als Feinde betrachtet.

Picard auf dem Borgwürfel (© CBS/Amazon)

Das gibt auch Picard einiges zu denken, ist er doch zuvor wieder ganz im First Contact-„Die Borg können nur bekämpft werden“-Modus. Dabei sind schon allein Hugh und die Borg, die ihm einst folgten, der beste Beweis für das Gegenteil. Aber Picards einstige Assimilierung zeigt auch nach Jahrzehnten noch tiefe Narben, die im Gegensatz zu denen der anderen Ex-Borg nicht sichtbar sind.

So gut wie gar nicht eingegangen wird auf Hughs abermalige Veränderung, die ihn zum Leiter des Rückholprojekts werden ließ. Hätte auch die Borg-Frage eine ganze Folge spendiert bekommen, hätte Picards Verhältnis zu ihnen endlich einmal einer Generalinventur unterzogen werden können. All diese Aspekte werden hier aber eher am Rande gestreift.

Und was macht der Rest der Crew?

Auf Picards Schiff bandelt Jurati (Alison Pill) derweil mit Rios (Santiago Cabrera) an, nachdem es ihr gelungen ist, ihren Mord an Maddox zu vertuschen. Ob sie wohl das EMH gelöscht hat? Musiker (Michelle Hurd) ist noch schwer mitgenommen von der Zurückweisung durch ihren Sohn, hier bietet Rios freundschaftlichen Beistand an.

Musiker und Rios im Zwiegespräch (© CBS/Amazon)

Und dann ist da ja auch noch Elnor (Evan Evagora), der diesmal nicht nur als Comic Relief fungiert, sondern Picard und Soji am Ende auch den Fluchtweg freihält. Zwar ist er hier ganz in seinem Element, die Situation wirkt aber ein wenig so, als wäre sie nur dafür erschaffen worden, damit er auch mal etwas zu tun hat.

Auf jeden Fall ist die Suche nach Antworten auf all die Fragen im Hinblick auf Soji, Dahj, die Synthetics und den Angriff auf den Mars ein ganzes Stück weitergekommen. Die Nebenwege der beiden vorigen Episoden hätten aber gut und gern in das Auftakt-Trio integriert werden können, um mehr Zeit zu haben, sich dem Ringen von Soji und Picard mit ihrer jeweiligen Vergangenheit zu widmen.

Picard-Fragen:

  • Wohin teleportiert Picard sich und Soji?
  • Wie lange kann Jurati ihre Täuschung aufrechterhalten?
  • Überleben Elnor und Hugh?
  • Wollte Narek Soji wirklich töten oder nur dazu bringen, sich zu aktivieren?

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